Mein allererstes Bild entstand 2013 als ich im vierten Monat schwanger mit meiner Tochter war. Zwei Söhne hatte ich schon bekommen und drei Fehlgeburten dazwischen. Ich weiß, dass alle diese Kinder, die da nicht kommen sollten oder wollten, Mädchen waren. Ich konnte sie nicht kriegen – aus Angst, ich würde sie nicht beschützen können. Erst als ich meine alten Ängste in mir soweit besiegt hatte, wegen meines Alters aber ein drittes Kind auch schon aufgegeben hatte, schenkte mir das Schicksal noch dieses kleine Mädchen.

Wie ich damals auf die Idee kam, eines meiner Naturfotografien auf Leinwand drucken zu lassen, mich nackt mit Farbe einzuschmieren und auf die Leinwand zu rollen, weiß ich nicht mehr. Es war auf jeden Fall wie eine Art Befreiung, ein Akt vollkommener Freiheit und Freude. Das Thema dieses ersten Bildes ist dann auch die Transformation. Im Sinne von Verwandlung, von Häutung, von Wiedergeburt, von Loslassen und Neubeginn. Ein Zyklus, der sich durch unser aller Leben zieht – mehr oder weniger wahrnehmbar und wahrgenommen. Bild und Text meiner Arbeiten entstehen immer parallel, das eine kann ohne das andere nicht. Damals war mir das noch nicht so klar. Ich stand vor dem fertigen Bild und wusste, da fehlt noch was. Im Schrank fand ich ein altes Stück Samt und schrieb den Text mit Öl-Stift darauf:

Häute mich. Jahr um Jahr. Wieder und wider.

Bis mir die Füße in den Boden wachsen

und die Hände in den Himmel.